Judy Rezension: “Der René-Auftritt beginnt hier”

Unser Urteil

Zellweger wirft es aus dem Park und beleuchtet dieses ausdrucksstarke und bewegende Biopic mit großer Stimme.

Vergiss deine Sorgen, komm schon, mach dich glücklich, denn der Ren&e-ssance fängt hier an. Die göttliche Miss Z feiert ein großes Comeback und spielt in dieser ergreifenden Biografie die zerbrechliche, pillen- und saufsüchtige Judy Garland.

1968 ist Amerikas Singvogel erschöpft, pleite und obdachlos. Sie bietet nur einen Londoner Nachtclubvertrag an ("Die Engländer sind verrückt") ein Haus in LA zu finanzieren, das sie mit ihren Kindern wiedervereinigen wird. Er trottet geschäftig von einem schlaflosen Hotelbett zum Backstage-Chaos und ist nie weit von einer Flasche entfernt. Er ist ein überzeugendes, oft trocken-witziges Porträt einer Ikone mittleren Alters auf den Kufen. Doch Regisseur Rupert Goold (bekannt für den Soziopathen-Thriller True Story aus dem Jahr 2015) kombiniert ihn flink mit Garlands Ursprungsgeschichte, in knackigen, farbenfrohen Rückblenden zu dem Bestrafungsshooting für The Wizard Of Oz aus dem Jahr 1939, das ihr Schicksal besiegelte.

MGMs bester Geldverdiener war ein missbrauchter Teenager, der sich einer rücksichtslos erzwungenen Strategie von Crash-Diäten, Pill-Popping und unerbittlicher Arbeit verschrieben hatte. Angesichts der Rebellion der jungen Judy (eine zimperliche Darci Shaw) schikaniert der Studiomogul Louis B. Mayer sie gnadenlos, MeToo-Mode: "Sie sind ein dickknöcheliger Schnauzer von Grand Rapids." Tom Edges Drehbuch, das aus Peter Quilters Bühnenhit End Of The Rainbow stammt, ist mit stechenden Erinnerungen und zähen Themen (wie dem unlösbaren Tauziehen zwischen Familie und Ruhm) übersät, nadelscharf und größtenteils frei von Showbiz-Schmaltz. Der schreckliche Lampenfieber und die berühmte Unzuverlässigkeit von Garland halten die Dinge schön angespannt, sodass Zellwegers Transformation in der ersten Nacht von einem betrunkenen Hintern zu einem bühnengewaltigen Trouper zum Vorschein kommt &lsquo, durch mich ‘ein absoluter belter.

Goolds Kamera haftet durchgehend auf der Haut von Zellweger und erzeugt eine nervöse Intimität, wenn sie durch ein pechvolles Interieur aus den 60er Jahren gleitet. Für einen kleinen Film glänzt Judy mit Zuversicht, besonders bei den Bühnenauftritten, gedreht gnadenlos nah und mit wenigen Schnitten, wie ein Konzertfilm. Aber Goolds starke Konzentration auf seine Hauptdarstellerin bedeutet, dass gute Nebenauftritte (Rufus Sewells müder Ex-Ehemann Sid Luft oder Finn Wittrocks sternenklarer Freund, Gegenstand einer hoffnungsvollen Romanze) wenig Beinfreiheit haben. Die Ausnahme ist eine gemütliche Nebenhandlung, in der schwule Fans Stan und Dan die Begegnung ihrer Träume erleben.

Wie ein etwas lebhafterer Jackie (2016) ist der Film ein unnachgiebiger, aber unerschütterlicher Blick auf eine Legende. Zellweger trägt es prächtig, ihre markante Kombination aus Witz und Verletzlichkeit passt zu Garland ebenso gekonnt wie ihre Seiden-Bühnenanzüge. In einer außergewöhnlichen, eitelkeitsfreien Aufführung (Garland ähnelte zu diesem Zeitpunkt einem eingefleischten, aber frechen Elf) verwandelt sie sich im Handumdrehen von einer herzkranken Mutter aus der Ferne in eine Showbiz-Königin mit voller Leistung. Sie hat Garlands zuckende Manierismen und widerstandsfähige, weise Sprüche, aber dies ist eher eine meisterhafte Interpretation als eine Imitation. Ihre Singstimme ist nicht mehr der Atem von Chicago, sondern ein rauchiges, überraschend kraftvolles Instrument, das sich um den Betrachter legt. Wenn sie über den Regenbogen geht, gehst du mit ihr.

Judy Bewertung: "Der Ren&e-ssance fängt hier an"

Zellweger wirft es aus dem Park und beleuchtet dieses ausdrucksstarke und bewegende Biopic mit großer Stimme.